„Schönste Stadt der Welt“, diesen Titel hat sich Hamburg inoffiziell selbst verliehen. Und wer will da auch widersprechen, weitläufige Wasser- und Grünflächen bieten vielfältige Erholungsmöglichkeiten, hanseatische Weltoffenheit und maritime Atmosphäre schaffen Lebensqualität. In der Immobilienbranche wird Hamburg gerne als Boom-Town bezeichnet, in der die Spitzenmiete in der innerstädtischen 1A-Lage in den letzten zehn Jahren um rund 19 Prozent gestiegen ist und bei einem 80 bis 120 Quadratmeter großen Ladenlokal auf der Spitalerstraße inzwischen bis zu 280 Euro pro Quadratmeter betragen kann. Darauf weist das auf innerstädtische 1A-Lagen spezialisierte Maklerhaus LÜHRMANN Hamburg in den aktuellen Citynews Hamburg hin. Gleichzeitig verbuchten Immobilieneigentümer in demselben Zeitraum eine durchschnittliche Wertsteigerung von knapp 50 Prozent für ihre Geschäftshäuser.
André Stark für Lührmann
Zwei Lageniveaus stehen sich rechts und links der Binnenalster gegenüber: die City Ost und die City West. Dazwischen dienen der Rathausmarkt und die Europa-Passage als Bindeglieder. Die City Ost mit der Spitalerstraße und der Mönckebergstraße ist die Konsumlage Hamburgs. Auf rund 250.000 Quadratmetern Verkaufsfläche liegen alle großen Warenhäuser und die Flagship-Stores der etablierten Fashion-Filialisten. Die Lage ist gleich bleibend beliebt und die Frequenz ununterbrochen hoch.
„Die City West, mit ihren gut 100.000 Quadratmetern Verkaufsfläche, ist Hamburgs traditionelle Luxus- und Niveaulage mit vorwiegend kleinflächigen Ladenlokalen. Hier befanden sich bislang ausschließlich Luxusanbieter und Designerstores, das mondäne Alsterhaus und einige deutschlandweit bekannte Einzelhandelsinstitutionen wie Ladage & Oelke oder Beutin“, sagt Arndt von Marenholtz, Geschäftsführer bei LÜHRMANN Hamburg.
Beflügelt durch die Entwicklung der Alten Post mit Abercrombie & Fitch als Neumieter sowie den kommenden Apple-Store am Jungfernstieg verändert sich jedoch derzeit der gesamte Bereich zwischen Neuem Wall und ABC-Straße. Neben den Luxuslabels etablieren sich zunehmend gehobene Flagship-Stores populärer Modemarken, zuletzt etwa Scotch & Soda und Lacoste.
Arndt von Marenholtz: „Die Lage wandelt sich, weg von der reinen Flaniermeile, hin zur Einkaufsdestination für eine modebewusste aber gleichzeitig zahlungskräftige Zielgruppe. Einzig die den Bereich lange Zeit so prägende Passagenstruktur durch Großimmobilien wie dem Kaufmannshaus, dem Hanseviertel und der Galleria hemmt derzeit noch mancherorts die weitere Entwicklung.“
Die Ladenlokale in den Durchgängen werden immer seltener von Kunden besucht und die Anbieter zieht es zurück in die klassischen Lauflagen, eine Anpassung an den modernen Einzelhandel ist somit angeraten.
Aktuelles
Burberry zieht es wieder an den Neuen Wall. Bis Mitte Juli will das Luxus-Label sein Ladenlokal in der Galleria-Passage aufgeben und in die 650 Quadratmeter umfassende, ehemalige Fläche des dänischen Einrichtungshauses BoConcept am Neuen Wall 71 ziehen.
Vorgemacht haben das schon die Franzosen von Lacoste. Im Frühjahr gab das Modelabel seinen Store im Hanseviertel auf und eröffnete ein rund 500 Quadratmeter großes Ladenlokal in der Momeni-Projektentwicklung 63 Grad am Neuen Wall 63. Etwa zur gleichen Zeit eröffnete Scotch & Soda direkt um die Ecke seinen ersten Deutschland-Store. Das Amsterdamer Unternehmen mietete hierzu ein zweistöckiges Ladenlokal an der Bleichenbrücke/ Ecke Neuer Wall mit knapp 330 Quadratmetern.
Vom Gänsemarkt 21 an die ABC-Straße 1 zog indes das luxuriöse Oversize-Modelabel Marina Rinaldi. Das Tochterunternehmen der italienischen Max Mara-Gruppe, seit 2001 in Hamburg ansässig, eröffnete in den ehemaligen Räumlichkeiten des Damenlabels Uli Schneider ein rund 1.000 Quadratmeter umfassendes Ladenlokal.
In dem Eckhaus Hohe Bleichen 28 eröffnete vor wenigen Tagen der britische Herrenausstatter Hackett sein nach München und Frankfurt drittes Ladenlokal in Deutschland. Das Londoner Label nutzt insgesamt rund 270 Quadratmeter Verkaufsfläche, die zuvor von der skandinavischen Damenlinie Filippa K. genutzt wurde. Lloyd ist hingegen neu am Jungfernstieg. Der Herrenschuhanbieter eröffnete kürzlich einen Shop in dem ehemaligen Geox-Ladenlokal mit der Hausnummer 7.
Verkauft wurde zuletzt das Karstadthaus an der Mönckebergstraße. Ein Spezialfonds der Hamburger Quantum Immobilien AG investierte deutschlandweit 250 Millionen Euro in insgesamt drei an Karstadt vermietete Warenhäuser. Verkäufer ist das Highstreet-Konsortium.
Neuer Eigentümer der Immobilie an der Mönckebergstraße 13 ist die Aachener Grundvermögen Kapitalanlagegesellschaft. Das Kölner Unternehmen erwarb das an die Einzelhändler Adidas, Fossil und WMF vermietete Geschäftshaus von der österreichischen Immofinanz. Kurz zuvor hatte die Aachener Grund schon das unmittelbar an die Europa-Passage grenzende Geschäftshaus Kleine Rosenstraße 14/ Paulstraße 3 gekauft. Die 3.500 Quadratmeter Einzelhandelsfläche der bislang im Eigentum der Union Investment befindlichen Immobilie sind an Salamander und Benetton vermietet.
Auch die Momeni-Gruppe hat erneut in Hamburgs Innenstadt investiert und von der Deutschen Postbank den Sitz des Instituts am Neuen Wall 69 gekauft. Das Büro- und Geschäftshaus soll für insgesamt 33 Millionen Euro saniert werden.
Laufende Projekte
Think different! Das dachte offensichtlich Apple-CEO Steve Jobs, als er bei der Besichtigung seines zukünftig sechsten Deutschland-Stores Hamburgs regierenden Bürgermeister bat, man solle doch die klobige U-Bahn Station versetzen. Schließlich würde hierdurch die Optik der Immobilie deutlich beeinträchtigt. Doch die Möglichkeiten in Deutschlands Innenstädten sind nicht unbegrenzt, der gläserne Aufgang bleibt und Apple kommt trotzdem. Bis dahin wird die Immobilie am Jungfernstieg 12, bislang Heimat des Modehauses Beutin und des Juwelierunternehmens Brahmfeld & Gutruf, grundlegend umgebaut. Das Projekt mit Kosten im …
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